Yat Siu: „Tokenisiere oder verliere – So prägt Web3 die Krypto Zukunft bis 2026 und darüber hinaus“

Yat Siu: „Tokenisiere oder verliere – So prägt Web3 die Krypto Zukunft bis 2026 und darüber hinaus“

Zu Beginn von 2026 steht die Krypto-Branche an einem Wendepunkt. Die unsicheren Regeln, die lange für Verwirrung bei digitalen Vermögenswerten sorgten, werden endlich klarer. Große Unternehmen und Investment-Firmen steigen jetzt aktiv ein, und sogar die Bedeutung von „Vermögenswert“ ändert sich.

Nur wenige Menschen können diese Veränderungen so gut beobachten wie Yat Siu, Mitgründer und Vorsitzender von Animoca Brands. Wir haben mit Siu gesprochen, um herauszufinden, was das neue Jahr für Web3 bringen wird – und warum er meint, Firmen hätten nur zwei Möglichkeiten: Tokenisierung oder Untergang.

Neues Jahr, neue Chancen für Altcoins

Siu bestätigt, dass Bitcoin seinen Platz als „digitales Gold“ verdient hat. Doch zu Beginn von 2026 sieht er die spannendsten Entwicklungen woanders. „Die meisten Menschen starten nicht mit dem Kauf von Bitcoin in Krypto“, sagt er. „Sie kommen über Token, die einen Nutzen bieten – egal ob das DeFi, Gaming, NFTs oder etwas anderes ist.“

Er vergleicht das mit traditionellen Märkten: Kein Unternehmen besitzt einen annähernd so hohen Marktwert wie Gold. Trotzdem ist der gesamte Aktienmarkt viel größer als Gold. „In Krypto passiert jetzt dasselbe. Was mich an diesem Jahr besonders freut, ist, dass die Chancen nicht mehr nur bei neuen Token liegen, sondern besonders bei solchen, die sich schon bewährt haben.“

Für Siu ist das Muster nicht neu. „Denk daran, was nach dem Platzen der Dotcom-Blase passiert ist. Amazon, Microsoft, Apple, Netease – diese Unternehmen sind nicht verschwunden, sie wurden stärker. Ich glaube, 2026 wird genauso ein Neustart für die erfahrenen Web3-Projekte.“

Das Jahr, in dem klare Krypto-Regeln endlich kommen

Ein großes Thema für Siu in diesem Jahr ist das Schicksal des CLARITY Act im US-Kongress. Aufbauend auf dem schon bekannten GENIUS Act für Stablecoins, soll das neue Gesetz die Zuständigkeiten zwischen der SEC und der CFTC für digitale Vermögenswerte klar regeln.

„Ich bin zuversichtlich, dass der CLARITY Act 2026 verabschiedet wird“, sagt Siu. „Und wenn das passiert, wird es eine Tokenisierungswelle geben, die wir so noch nie gesehen haben – von den größten Firmen bis hin zu kleinen Unternehmen. Die Unsicherheit, die viele abgehalten hat, wird endgültig verschwinden.“

Er sieht die neuen Regeln als Schlüssel für eine breite Einführung bei Unternehmen. „Viele Firmen waren vorsichtig, nicht weil sie das Potenzial nicht sehen, sondern weil die Gesetze unklar waren. Diese Sorge verschwindet nun in diesem Jahr.“

Institutionen werden vom Beobachter zum Akteur

Die Einführung von Krypto-ETFs in den letzten Jahren war ein wichtiger Schritt. Allerdings meint Siu, dass 2026 als das Jahr gilt, in dem institutionelle Nutzer Krypto wirklich als Strategie sehen. „Das ist erst der Anfang. RWAs und Stablecoins werden für große Investoren die wichtigsten Themen in diesem Jahr.“

Die Tokenisierung von realen Vermögenswerten (RWAs) hat besonders großes Veränderungspotenzial. „RWAs bringen etwas, das Krypto schon immer versprochen hat – echte finanzielle Teilhabe. Damit bekommen Menschen ohne Bank Zugang zu Geldanlagen, die bisher nur Wohlhabenden offenstanden. Dieses Jahr wird aus dem Versprechen Realität.“

Schätzungen zufolge könnten tokenisierte RWAs innerhalb der nächsten zehn Jahre auf 30 Billionen USD wachsen. Regulierungen wie die MiCA-Verordnung der EU geben großen Banken und Vermögensverwaltern das nötige Vertrauen, sich mit öffentlichen Blockchains zu beschäftigen. „Die Technik ist da. Die Regeln kommen. Jetzt geht es um die Umsetzung.“

Das Post-Crash-Playbook kommt zurück

Siu erkennt klare Parallelen zu den Jahren nach dem Platzen der Dotcom-Blase. „Der Investitionszyklus hat sich grundlegend gewandelt. Die besten Chancen gab es früher bei den ganz neuen Token. Heute ist das anders.“

Heute wird vor allem in Token investiert, die schon eine Marktpräsenz und Liquidität haben. „Nach dem Dotcom-Crash sind Firmen wie Amazon, Microsoft, Yahoo und eBay nicht nur geblieben – sie sind viel größer geworden. Das Gleiche passiert in Web3. Allerdings werden dabei auch große Tech-Konzerne wie Google und Meta stärker einsteigen.“

Das verlangt neue Fähigkeiten für Anleger. „Die Situation ist heute viel komplexer. Wer Erfolg haben will, muss besser analysieren können. Leichtes Geld durch schnelle Hypes ist fast verschwunden.“

„Alles wird zur eigenen Anlageklasse“

Auf die gewagteste Vorhersage für die kommenden Jahre angesprochen, ist sich Siu sicher: „Alles wird eine eigene Anlageklasse durch Tokenisierung. Geistiges Eigentum, Tantiemen, Werbeplätze – alles, was einen Wert hat, wird als Token handelbar.“

Yat Siu. Quelle: Animocabrands

Siu weiß, dass tokenisierte RWAs heute noch auf verschiedene Chains und Marktplätze verteilt sind. Dennoch sieht er Konsolidierung und weiteres Wachstum. „Die Technik ist bereit. Was noch gefehlt hat, sind klare Regeln und das Vertrauen großer Firmen. Diese beiden Dinge fügen sich jetzt zusammen.“

Es gibt auch einen Generationenwechsel. „Krypto wird die Anlageklasse für Jüngere – so wie das Internet und Social Media früher den Unterschied zwischen den Generationen gemacht haben. Wer diese Zielgruppe erreichen will, braucht Strategien rund um Tokenisierung. Das ist keine Option mehr, sondern Pflicht.“

Krypto Blockchain tritt in den Hintergrund

Eine eher überraschende Prognose von Siu ist, dass die Blockchain-Technologie für die meisten Menschen unsichtbar wird. „Denk an Musik: Früher sagten wir ‚MP3‘ oder ‚digitaler Download‘. Heute sagen wir einfach Musik. Die Technik tritt in den Hintergrund. Bei Blockchain passiert gerade dasselbe.“

Er nennt Vorhersagemärkte als Beispiel. „Sie funktionieren auf Krypto-Basis, aber Nutzer interessiert das Backend nicht. Es zählt der Service. So sieht der Weg zur breiten Nutzung aus: Mehrwert bieten und die Blockchain unsichtbar im Hintergrund arbeiten lassen.“

Dieser praktische Ansatz eröffnet Chancen in vielen Branchen. „Spiele mit In-Game-Assets als NFTs. Produkte mit Erträgen für Nutzer im Alltag. Schnellere Zahlungen. Digitales Eigentum. Diese Beispiele bringen traditionelle Nutzer zu Krypto-Diensten – nicht, weil sie sich für Blockchain begeistern, sondern weil die Angebote einfach besser sind.“

Von Krypto-Natives zu Krypto-Neugierigen: Jetzt entdecken!

Siu sagt voraus, dass sich die Zielgruppe für Krypto in diesem Jahr stark verändern wird. „Im Jahr 2026 liegt der Fokus nicht mehr auf den Krypto-Natives, sondern auf den Krypto-Neugierigen. Und der Schwerpunkt verschiebt sich von Unterhaltung zu Nutzen und Wert.“

Memecoins, so meint er, waren bisher ein Ergebnis unsicherer Regeln. „Bis jetzt waren Memecoin-Starts vor allem auf die Krypto-Natives ausgerichtet. Sie waren nicht dafür gemacht, die breite Masse anzusprechen.“ Jetzt entwickeln sich aber weltweit klarere Regeln, was diesen Trend verändert.

„Mit deutlicheren Vorschriften können Projekte offen über ihren echten Wert sprechen. Sie müssen sich nicht mehr hinter dem Memecoin-Namen verstecken. Das CLARITY-Gesetz beschleunigt diese Entwicklung – Token werden nach ihrem tatsächlichen Nutzen bewertet, und Token ohne echten Mehrwert werden es schwer haben.“

Finanzwissen wird jetzt unverzichtbar

Blicken wir auf die Zeit ab 2026 und darüber hinaus, erkennt Siu finanzielle Bildung als wichtige Fähigkeit. „Krypto löst schon heute echte Probleme – niedrigere Kosten bei Überweisungen, besserer Zugang zu Erträgen, die Chance auf Möglichkeiten, die früher verschlossen waren.“

Er rechnet damit, dass Krypto noch tiefer in alltägliche Finanzdienste einzieht. „Studienkredite, Verbraucherkredite – später auch ungesichertes Leihen. Krypto wird ein Teil der Lösungen, die das Leben vieler Menschen direkt betreffen.“

Das erinnert an die digitale Bildung in den 1990ern und 2000ern. „Unternehmen mussten damals den digitalen Wandel annehmen, sonst wurden sie bedeutungslos. Die Kunden zogen dann nach. Ähnlich läuft es jetzt mit finanzieller Bildung: Wer sich auskennt, bekommt viel mehr Chancen durch die zunehmende Tokenisierung und damit einhergehende Finanzdienste.“

Tokenisiere oder geh unter

Siu beendet seine Aussagen mit einer Botschaft, die sowohl eine Warnung als auch ein Aufruf für das kommende Jahr ist.

„Unternehmen, die ihre Werte nicht tokenisieren und damit für KI-Systeme sowie Web3-Liquidität öffnen, werden unwichtiger. Das haben wir früher schon erlebt: Firmen, die das Internet ignoriert haben, wurden von Konkurrenten wie Amazon abgehängt. Wer jetzt Tokenisierung ignoriert, dem droht das Gleiche.“

Er hält kurz inne und sagt dann den Satz, der für ihn zum Leitspruch geworden ist: „Tokenisiere oder geh unter. Das ist keine Prognose für eine ferne Zukunft. Das ist die Realität im Jahr 2026.“

Der Beitrag Yat Siu: „Tokenisiere oder verliere – So prägt Web3 die Krypto Zukunft bis 2026 und darüber hinaus“ erschien zuerst auf BeInCrypto – Krypto News.