Coinbase-Chef verteidigt CBDC-Zins-Politik von China – Was steckt dahinter?
Coinbase-Chef Brian Armstrong nennt China als Vorbild für die US-Regulierung von Stablecoins. Der Zeitpunkt wirft allerdings Fragen zu seinen Absichten auf.
Armstrong verteidigt, dass Chinas Zentralbank bei ihrer digitalen Währung Zinsen zahlt. Gleichzeitig kämpft sein Unternehmen darum, eine wichtige Einnahmequelle zu retten, die durch die US-Bankenlobby bedroht ist. Das GENIUS-Gesetz, das im Juli beschlossen wurde, erlaubt Plattformen wie Coinbase, Zinserträge mit Stablecoin-Haltern zu teilen. Banker setzen sich nun jedoch dafür ein, diese Regelung wieder abzuschaffen.
Das hat Armstrong gesagt
Armstrong lobte am 8. Januar auf X Chinas Vorgehen bei der digitalen Währung. „China hat beschlossen, bei seiner eigenen Stablecoin Zinsen zu zahlen, weil es den normalen Leuten hilft, und sieht das als Vorteil”, schrieb er. „Ich sorge mich, dass wir in den USA das große Ganze aus den Augen verlieren.”
Er meint, die Ausschüttung von Belohnungen auf Stablecoins könne normalen Amerikanern helfen, ohne dabei die Kreditvergabe der Banken zu stören. Zudem fordert er, „den Markt beides machen zu lassen“.
So reagiert China
Doch aus China kam eher Verwunderung. Der Krypto-Analyst Phyrex wies auf einen grundlegenden Fehler in Armstrongs Argumentation hin: Der digitale Yuan ist kein Stablecoin.
Nach Phyrex sind die Zinsen für den digitalen Yuan kein Zeichen für Wettbewerbsstärke. Sie sind vielmehr eine Reaktion auf niedrige Nutzung. Yuan, die bei WeChat Pay und Alipay liegen, bringen Zinsen. Dagegen bot der digitale Yuan bislang keinen Ertrag, wodurch Nutzer keinen Grund hatten, zu wechseln. Das Anfang Januar gestartete Zinsprogramm wird außerdem von Geschäftsbanken subventioniert – die Zinssätze liegen dabei vermutlich unter dem Standard für normale Tagesgelder.
GENIUS Act: Wird dieses Gesetz alles verändern?
Armstrongs Aussagen kamen während eines großen Lobby-Streits über die künftige Stablecoin-Regulierung in den USA.
Nach dem im Juli 2025 erlassenen GENIUS-Gesetz dürfen Stablecoin-Herausgeber keine Zinsen direkt an Halter zahlen. Drittanbieter wie Börsen dürfen aber Erträge durch „Belohnungs”-Programme weitergeben. Das kommt vor allem Plattformen wie Coinbase entgegen.
Allerdings wehren sich Banken stark. Im November schrieben die American Bankers Association und 52 Verbände einen Brief an das Finanzministerium. Sie fordern, diese „Regelungslücke” zu schließen. Ihrer Ansicht nach könnten Stablecoin-Plattformen mit hohen Erträgen zu starken Abflüssen von Bankeinlagen führen. Das würde bis zu 6,6 Bio. USD an möglicher Kreditvergabe bedrohen.
Auch diese Woche ging das Lobbying weiter. Am 7. Januar baten über 200 Community-Bankchefs in einem Schreiben an den US-Senat darum, dass das Zinsverbot des GENIUS-Gesetzes auch für Partner und verbundene Unternehmen der Emittenten gelten soll.
Armstrong konterte am 26. Dezember und nannte jede Änderung am GENIUS-Gesetz eine „rote Linie“. Er kritisierte, Banken würden etwa 4 Prozent auf Guthaben bei der US-Notenbank verdienen, aber fast nichts an Kunden auszahlen. Außerdem warf er ihnen „Gedankenspiele“ vor, wenn sie Zinsbeschränkungen als Sicherheitsfrage darstellen.
Warum der China-Vergleich an seine Grenzen stößt
Mit seinem China-Vergleich will Armstrong offenbar ein Wettbewerbs-Argument aufbauen: Wenn China es macht, warum nicht auch Amerika?
Das ist allerdings umstritten. Eine CBDC und ein privater Stablecoin unterscheiden sich stark. Der digitale Yuan ist ein gesetzliches Zahlungsmittel der Zentralbank von China. USDC und USDT hingegen sind an den Dollar gekoppelte Token von privaten Unternehmen. Kritiker wie Phyrex sagen, die Zinsen beim digitalen Yuan seien ein Zeichen für geringe Nutzerzahlen, nicht für Wettbewerbsstärke.
Trotzdem könnte Armstrongs Hauptargument überzeugen: Dass die Ausschüttung von Erträgen an normalen Menschen hilft und nicht verboten werden sollte. Am Ende dreht sich die US-Debatte um die Frage, wie viel Wettbewerb Plattformen bei Einlagen im Vergleich zu Banken zulassen dürfen.
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